Alle Themen · Thema 2 von 9 · im Kurs: Modul 2
Biologisches Alter messen
Epigenetische Uhren, Fitness, Griffkraft, Gehtempo und Blutwerte
Von Andreas Lerch, Diplom-Sportwissenschaftler Univ., Technische Universität München · Stand der Quellenprüfung: 21.10.2026
Wissen, keine Behandlung: Änderungen bei Training, Ernährung, Fasten oder Präparaten sprichst du vorher ärztlich ab, vor allem bei Vorerkrankungen, Medikamenten, Schwangerschaft oder Stillzeit.
Die Horvath-Uhr schätzt aus 353 Stellen der DNA-Methylierung das Alter fast aller Gewebe und Zelltypen. Entwickelt wurde sie an 8.000 Proben aus 51 gesunden Geweben und Zelltypen.
Einordnung: Ob diese Altersschätzung biologisch mehr aussagt als das Alter in Jahren, war laut Studie zu Beginn offen.
BeobachtungsstudieHorvath, S. (2013). DNA methylation age of human tissues and cell types. Genome Biology 14(10), R115. Quelle öffnen
Die erste Generation epigenetischer Uhren wurde auf das kalendarische Alter trainiert. Die Uhr DNAm PhenoAge wurde stattdessen auf ein Maß aus klinischen Werten trainiert und sagte Sterblichkeit, Krebs, Gesundheitsspanne und körperliche Funktion besser voraus als frühere Messgrößen.
Einordnung: Eine Vorhersage in großen Gruppen. Ob das Zurückdrehen der Uhr gesünder macht, untersucht die Studie nicht.
BeobachtungsstudieLevine, M.E., Lu, A.T., Quach, A., Chen, B.H., Assimes, T.L., et al. (2018). An epigenetic biomarker of aging for lifespan and healthspan (PhenoAge). Aging 10(4), 573-591. Quelle öffnen
Das „phänotypische Alter“ hinter PhenoAge kombiniert neun klinische Blutwerte, etwa Albumin, Kreatinin, Glukose und CRP, mit dem kalendarischen Alter.
Einordnung: Entwickelt an Daten der US-Gesundheitsstudie NHANES. Was einzelne Werte für dich bedeuten, beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt.
BeobachtungsstudieLevine, M.E., Lu, A.T., Quach, A., Chen, B.H., Assimes, T.L., et al. (2018). An epigenetic biomarker of aging for lifespan and healthspan (PhenoAge). Aging 10(4), 573-591. Quelle öffnen
Die Uhr GrimAge beruht auf Schätzwerten für Bluteiweiße und Rauchjahre aus der DNA-Methylierung. In Daten von Tausenden Menschen sagte sie die Zeit bis zum Tod, bis zur Herzerkrankung und bis zum Krebs besser voraus als die anderen geprüften Uhren.
Einordnung: Eine Vorhersage aus Beobachtungsdaten. Ein Beleg, dass eine Maßnahme über die Uhr Lebenszeit gewinnt, ist das nicht.
BeobachtungsstudieLu, A.T., Quach, A., Wilson, J.G., Reiner, A.P., Aviv, A., et al. (2019). DNA methylation GrimAge strongly predicts lifespan and healthspan. Aging 11(2), 303-327. Quelle öffnen
Bei sechs bekannten epigenetischen Uhren wichen Messungen derselben Probe allein durch technisches Rauschen um bis zu 9 Jahre voneinander ab. Mit einem neuen Rechenweg lagen die meisten Wiederholungen innerhalb von 1,5 Jahren.
Einordnung: Je nach Uhr lagen die Abweichungen bei bis zu 3 bis 9 Jahren. Eine Veränderung um wenige Jahre nach einer Maßnahme kann also Messrauschen sein.
LaborstudieHiggins-Chen, A.T., Thrush, K.L., Wang, Y., Minteer, C.J., Kuo, P.-L., et al. (2022). A computational solution for bolstering reliability of epigenetic clocks: implications for clinical trials and longitudinal tracking. Nature Aging 2(7), 644-661. doi:10.1038/s43587-022-00248-2 Quelle öffnen
Bei 122.007 Menschen, die an einer US-Klinik zum Belastungstest auf dem Laufband kamen, war höhere Ausdauerfitness mit niedrigerer Sterblichkeit verbunden, ohne erkennbare Obergrenze des Nutzens.
Einordnung: Die Fitness wurde aus der erreichten Belastungsstufe geschätzt, nicht per Atemgasmessung. Ein Zusammenhang, keine Ursache.
BeobachtungsstudieMandsager, K., Harb, S., Cremer, P., Phelan, D., Nissen, S.E. & Jaber, W. (2018). Association of cardiorespiratory fitness with long-term mortality. JAMA Network Open 1(6), e183605. Quelle öffnen
In derselben Studie wog geringe Fitness beim Sterberisiko so schwer wie Rauchen, Diabetes oder eine koronare Herzkrankheit oder schwerer.
Einordnung: Ein Vergleich innerhalb einer Klinikkohorte von Menschen, die zum Belastungstest überwiesen waren.
BeobachtungsstudieMandsager, K., Harb, S., Cremer, P., Phelan, D., Nissen, S.E. & Jaber, W. (2018). Association of cardiorespiratory fitness with long-term mortality. JAMA Network Open 1(6), e183605. Quelle öffnen
In der PURE-Studie mit 139.691 Erwachsenen aus 17 Ländern ging geringere Griffkraft mit höherer Gesamt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit einher. Sie sagte beides stärker voraus als der obere Blutdruckwert.
Einordnung: Ob mehr Griffkraft das Risiko senkt, ist laut Autoren noch zu prüfen.
BeobachtungsstudieLeong, D.P., Teo, K.K., Rangarajan, S., Lopez-Jaramillo, P., Avezum, A., et al. (2015). Prognostic value of grip strength: findings from the PURE study. The Lancet 386(9990), 266-273. Quelle öffnen
In einer gemeinsamen Auswertung von 9 Kohortenstudien mit 34.485 Menschen ab 65 hing die Gehgeschwindigkeit mit dem Überleben zusammen. Über den ganzen Bereich der Gehgeschwindigkeiten stieg das Überleben mit dem Tempo.
Einordnung: Beobachtungsdaten. Ob schnelleres Gehen das Leben verlängert, zeigt die Auswertung nicht.
Meta-AnalyseStudenski, S., Perera, S., Patel, K., Rosano, C., Faulkner, K., et al. (2011). Gait speed and survival in older adults. JAMA 305(1), 50-58. Quelle öffnen
Jedes Lipoprotein, das Gefäßablagerungen fördern kann, trägt genau ein Molekül Apolipoprotein B (ApoB). Laut dieser Übersicht erfasst ApoB das daraus folgende Risiko genauer als LDL-Cholesterin.
Einordnung: Eine erzählende Übersicht. Welche Blutwerte bei dir sinnvoll sind und was sie bedeuten, klärt deine Ärztin oder dein Arzt.
ÜbersichtsarbeitSniderman, A.D., Thanassoulis, G., Glavinovic, T., Navar, A.M., Pencina, M., et al. (2019). Apolipoprotein B particles and cardiovascular disease. JAMA Cardiology 4(12), 1287-1295. Quelle öffnen
Aus mehr als 450.000 Methylierungsstellen im Blut von 656 Menschen zwischen 19 und 101 Jahren bauten Forschende ein Modell, das die Alterungsrate des Methyloms misst. Geschlecht und Genvarianten beeinflussten diese Rate.
Einordnung: Ein Messmodell aus Beobachtungsdaten. Was eine schnellere oder langsamere Rate für die Gesundheit des Einzelnen bedeutet, zeigt die Studie nicht.
BeobachtungsstudieHannum, G., Guinney, J., Zhao, L., Zhang, L., Hughes, G., et al. (2013). Genome-wide methylation profiles reveal quantitative views of human aging rates. Molecular Cell 49(2), 359-367. Quelle öffnen
Wo diese Übersicht endet: die Arzt-Grenze
Diese Übersicht vermittelt Wissen aus Studien und von Behörden und Fachgesellschaften. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung, keine Diagnose und keine Therapie.
- Wenn du Beschwerden oder Vorerkrankungen hast, Medikamente nimmst, schwanger bist oder stillst: Sprich Änderungen bei Training, Ernährung, Fasten oder Nahrungsergänzung vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
- Blutwerte, Tests und Bildgebung beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt. Diese Übersicht nennt keine Referenzbereiche und deutet keine Werte.
- Ob du ein Präparat brauchst und wie viel, klärst du ärztlich oder in der Apotheke. Dosierungen nennt auch der Kurs bewusst nicht.
- Rapamycin, Metformin und andere hier genannte Medikamente sind verschreibungspflichtig: Ihre Anwendung ist ausschließlich ärztliche Entscheidung, kein Selbstversuch.
- Bei neuen oder ungeklärten Brustschmerzen, Atemnot, Ohnmacht oder unregelmäßigem Puls: Training abbrechen und sofort ärztlich abklären lassen.
- Bei anhaltender Freudlosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Anzeichen von Depression ist eine Ärztin, ein Arzt oder eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut der richtige nächste Schritt. In akuter Gefahr: Notruf 112.