Alle Themen · Thema 7 von 9 · im Kurs: Modul 7
Messen: was Tests aussagen können
Fitnessuhren und Ringe, Glukosesensoren, Bildgebung und Überdiagnose
Von Andreas Lerch, Diplom-Sportwissenschaftler Univ., Technische Universität München · Stand der Quellenprüfung: 21.10.2026
Wissen, keine Behandlung: Änderungen bei Training, Ernährung, Fasten oder Präparaten sprichst du vorher ärztlich ab, vor allem bei Vorerkrankungen, Medikamenten, Schwangerschaft oder Stillzeit.
Der koronare Kalk-Score erfasst ein sehr spezifisches Merkmal der Arterienverkalkung. Er gilt als gut verfügbares, reproduzierbares Mittel, das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse einzuschätzen, besonders bei Menschen ohne Beschwerden.
Einordnung: Ob der Test für dich sinnvoll ist, entscheidest du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
ÜbersichtsarbeitGreenland, P., Blaha, M.J., Budoff, M.J., Erbel, R. & Watson, K.E. (2018). Coronary calcium score and cardiovascular risk. Journal of the American College of Cardiology 72(4), 434-447. Quelle öffnen
In 12 Studien mit 6.214 Ganzkörper-MRT-Untersuchungen bei Menschen ohne Beschwerden hatten 95 % mindestens einen auffälligen Befund. Von allen Befunden waren 91 % gutartig.
Einordnung: Weiter abgeklärt werden sollte bei 30 % der Untersuchten, bestätigter Krebs fand sich bei 1,1 %. Für Aussagen zum Nutzen waren die Studien laut Autoren zu unterschiedlich.
ÜbersichtsarbeitZugni, F., Padhani, A.R., Koh, D.-M., Summers, P.E., Bellomi, M. & Petralia, G. (2020). Whole-body magnetic resonance imaging (WB-MRI) for cancer screening in asymptomatic subjects of the general population: review and recommendations. Cancer Imaging 20(1), 34. doi:10.1186/s40644-020-00315-0 Quelle öffnen
Das Royal Australian and New Zealand College of Radiologists empfiehlt kein Ganzkörper-MRT-Screening bei Menschen ohne Beschwerden, ohne frühere Krebserkrankung und ohne erbliche Krebsveranlagung.
Einordnung: Die Stellungnahme einer Fachgesellschaft aus Australien und Neuseeland.
Behörde oder FachgesellschaftRoyal Australian and New Zealand College of Radiologists (RANZCR) (2025). Position statement on whole body MRI screening in low-risk/asymptomatic patients. Fassung 1.1 vom 04.07.2025. Quelle öffnen
Überdiagnose heißt: Ein Krebs wird gefunden, der nie Beschwerden oder den Tod verursacht hätte. Aus randomisierten Studien schätzen die Autoren das für rund 25 % der per Mammografie entdeckten Brustkrebse und 60 % der per PSA-Test entdeckten Prostatakrebse.
Einordnung: Schätzungen mit Unsicherheit. Die Autoren fordern, dass Menschen vor einer Früherkennung über diesen Zielkonflikt aufgeklärt werden.
ÜbersichtsarbeitWelch, H.G. & Black, W.C. (2010). Overdiagnosis in cancer. Journal of the National Cancer Institute 102(9), 605-613. Quelle öffnen
Schlaftracker, die nur Bewegung messen, können lediglich zwischen Schlaf und Wachsein unterscheiden; Schlafstadien erkennen sie so nicht. Neuere Geräte mit Puls- und weiteren Sensoren sollen das verbessern.
Einordnung: Die Autoren fordern einheitliche Prüfstandards, bevor solche Geräte in Klinik und Forschung eingesetzt werden.
Übersichtsarbeitde Zambotti, M., Cellini, N., Goldstone, A., Colrain, I.M. & Baker, F.C. (2019). Wearable sleep technology in clinical and research settings. Medicine & Science in Sports & Exercise 51(7), 1538-1557. Quelle öffnen
Schlafmedizinerinnen und -mediziner berichten von Menschen, die wegen der Daten ihres Schlaftrackers Behandlung suchen. Die Suche nach dem perfekten Schlaf kann selbst zum Problem werden; die Autoren nennen das Orthosomnie.
Einordnung: Ein Fachbeitrag aus der Schlafmedizin, keine Studie zur Häufigkeit.
ÜbersichtsarbeitBaron, K.G., Abbott, S., Jao, N., Manalo, N. & Mullen, R. (2017). Orthosomnia: are some patients taking the quantified self too far? Journal of Clinical Sleep Medicine 13(2), 351-354. Quelle öffnen
Kontinuierliche Glukosemessung unterstützt Menschen, die Insulin brauchen. Bei Typ-1-Diabetes verbessert sie nachweislich die Behandlungsergebnisse.
Einordnung: Zu Menschen ohne Diabetes macht diese Übersicht keine Aussage.
ÜbersichtsarbeitKlonoff, D.C., Ahn, D. & Drincic, A. (2017). Continuous glucose monitoring: A review of the technology and clinical use. Diabetes Research and Clinical Practice 133, 178-192. Quelle öffnen
Wo diese Übersicht endet: die Arzt-Grenze
Diese Übersicht vermittelt Wissen aus Studien und von Behörden und Fachgesellschaften. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung, keine Diagnose und keine Therapie.
- Wenn du Beschwerden oder Vorerkrankungen hast, Medikamente nimmst, schwanger bist oder stillst: Sprich Änderungen bei Training, Ernährung, Fasten oder Nahrungsergänzung vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
- Blutwerte, Tests und Bildgebung beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt. Diese Übersicht nennt keine Referenzbereiche und deutet keine Werte.
- Ob du ein Präparat brauchst und wie viel, klärst du ärztlich oder in der Apotheke. Dosierungen nennt auch der Kurs bewusst nicht.
- Rapamycin, Metformin und andere hier genannte Medikamente sind verschreibungspflichtig: Ihre Anwendung ist ausschließlich ärztliche Entscheidung, kein Selbstversuch.
- Bei neuen oder ungeklärten Brustschmerzen, Atemnot, Ohnmacht oder unregelmäßigem Puls: Training abbrechen und sofort ärztlich abklären lassen.
- Bei anhaltender Freudlosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Anzeichen von Depression ist eine Ärztin, ein Arzt oder eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut der richtige nächste Schritt. In akuter Gefahr: Notruf 112.