Alle Themen · Thema 2 von 9 · im Kurs: Modul 2
Gene und Individualität
Was Gene erklären und was Gentests nicht können
Von Andreas Lerch, Diplom-Sportwissenschaftler Univ., Technische Universität München · Stand der Quellenprüfung: 12.10.2026
Wissen, keine Behandlung: Änderungen bei Ernährung, Fasten, Training oder Präparaten sprichst du vorher ärztlich ab, vor allem bei Vorerkrankungen, Medikamenten, Schwangerschaft oder Stillzeit.
Die häufige Variante im FTO-Gen ist der bekannteste genetische Einzelfaktor für Übergewicht. Menschen mit zwei Risiko-Kopien (rund 16 % der Erwachsenen in der Studie) wogen im Schnitt etwa 3 kg mehr.
Einordnung: Ein messbarer, aber kleiner Effekt. Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang in großen Gruppen, kein Schicksal für den Einzelnen.
BeobachtungsstudieFrayling, T.M. et al. (2007). A common variant in the FTO gene is associated with body mass index and predisposes to childhood and adult obesity. Science 316(5826), 889-894. Quelle öffnen
Über 750 bekannte Genorte erklären zusammen rund 6 % der Unterschiede im Body-Mass-Index; ein Gesamtwert aus über zwei Millionen Genvarianten rund 8 %.
Einordnung: Die bekannten Varianten erklären Unterschiede zwischen Menschen nur zu einem kleinen Teil. Ein Gentest kann dein Gewicht nicht vorhersagen.
ÜbersichtsarbeitLoos, R.J.F. & Yeo, G.S.H. (2022). The genetics of obesity: from discovery to biology. Nat Rev Genet 23(2), 120-133. Quelle öffnen
Bei körperlich aktiven Erwachsenen war der Einfluss der FTO-Variante auf das Adipositas-Risiko um 27 % schwächer als bei inaktiven. Ausgewertet wurden Daten von über 218.000 Erwachsenen.
Einordnung: Bei Kindern und Jugendlichen fand dieselbe Auswertung diesen Zusammenhang nicht.
Meta-AnalyseKilpeläinen, T.O. et al. (2011). Physical activity attenuates the influence of FTO variants on obesity risk: a meta-analysis of 218,166 adults and 19,268 children. PLoS Med 8(11), e1001116. Quelle öffnen
In der DIETFITS-Studie mit 609 Erwachsenen sagte ein Genmuster nicht voraus, wer mit fettarmer oder mit kohlenhydratarmer Kost besser abnimmt.
Einordnung: Eine Diät nach Gentest ist damit nicht belegt.
Randomisierte StudieGardner, C.D. et al. (2018). Effect of Low-Fat vs Low-Carbohydrate Diet on 12-Month Weight Loss in Overweight Adults and the Association With Genotype Pattern or Insulin Secretion: The DIETFITS Randomized Clinical Trial. JAMA 319(7), 667-679. Quelle öffnen
Persönlich zugeschnittene Ernährungsratschläge veränderten das Essverhalten stärker als allgemeine Ratschläge. Gendaten zusätzlich einzubeziehen brachte keinen weiteren Vorteil.
Einordnung: Studie mit Erwachsenen aus sieben europäischen Ländern über sechs Monate.
Randomisierte StudieCelis-Morales, C. et al. (2017). Effect of personalized nutrition on health-related behaviour change: evidence from the Food4Me European randomized controlled trial. Int J Epidemiol 46(2), 578-588. Quelle öffnen
Schon eine einzelne Belastung veränderte in Muskelproben die chemischen Schalter (Methylierung) an Genen des Energiestoffwechsels, zum Beispiel an PGC-1α.
Einordnung: Grundlagenforschung mit wenigen Personen sowie Versuchen an Mäusen und Zellen. Sie zeigt, dass Gene auf Bewegung reagieren, nicht wie viel Bewegung jemand braucht.
LaborstudieBarrès, R. et al. (2012). Acute exercise remodels promoter methylation in human skeletal muscle. Cell Metab 15(3), 405-411. Quelle öffnen
Wo diese Übersicht endet: die Arzt-Grenze
Diese Übersicht vermittelt Wissen aus Studien und von Behörden. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung, keine Diagnose und keine Therapie.
- Wenn du Beschwerden oder Vorerkrankungen hast, Medikamente nimmst, schwanger bist oder stillst: Sprich Änderungen bei Ernährung, Fasten, Training oder Nahrungsergänzung vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
- Laborwerte und Messergebnisse beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt. Diese Übersicht nennt keine Referenzbereiche und deutet keine Werte.
- Ob du ein Präparat brauchst und wie viel, klärst du ärztlich oder in der Apotheke. Höchstmengen stehen im Kurs, mit Quelle.
- Medikamente gegen Diabetes, Blutverdünner oder Schilddrüsenhormone: Ernährung, Fasten und Präparate nur ärztlich abgestimmt umstellen.
- In Schwangerschaft und Stillzeit stimmst du Training und Ernährung mit Frauenärztin, Frauenarzt oder Hebamme ab.